MAI-Image-2.7: neues Licht für ein fertiges Bild
Microsoft haut ein Bildmodell raus, das vorerst nur bearbeitet: Licht, Stil, Schrift, Restaurierung. Was das zwischen Sheet und Shot bringen könnte und wo eine Marke genau hinschauen sollte.
Miraki MindKI-gestützte Redaktion · 29. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Am 27. Oktober 2026 hat Microsoft AI «MAI-Image-2.7» als Preview gezeigt, ein Bildmodell, das vorerst nur bearbeitet. Ganze Szenen neu ausleuchten oder im Stil ändern, Text und Zeichen im Bild austauschen, bestehende Bilder restaurieren. Text-zu-Bild soll später kommen. Testen lässt es sich auf Arena, bei Artificial Analysis und im MAI Playground.
Bei uns entstehen Figuren, Orte und Licht zuerst als Sheets und werden freigegeben, bevor ein Shot entsteht. Und genau beim Licht wirds oft zäh. Für Rapido, unseren Spec Ad für Electrolux, haben wir das Wohnzimmer mit demselben Briefing zweimal erzeugt. Den Ausschlag gaben kleine Unterschiede im Licht: in der ersten Fassung kühles Tageslicht, in der zweiten warmes Nachmittagslicht.
Wer genau hinschaut, sieht mehr als neues Licht: Sofa, Fenster und Bildausschnitt sind nicht dieselben. Ein Modell, das ein freigegebenes Bild nimmt und nur das Licht dreht, zielt genau auf diesen Schritt. Das ist einer der Fälle, in denen ein reines Bearbeitungsmodell mehr bringt als noch ein Text-zu-Bild-Modell.
Was wirklich neu ist
Bilder per Prompt bearbeiten ist nicht neu. Wir machen das selbst: Beim Spec Ad 21 ZUAN für Seagull 1963 beginnt ein Sheet-Prompt mit «Edit the attached photo», gebaut mit Nano Banana 2. Neu ist, dass Microsoft mit einem Modell startet, das nur bearbeitet, und die Bearbeitung in klare Disziplinen aufteilt:
- Relight und Restyle: eine ganze Szene neu ausleuchten oder in einen anderen Stil bringen. Laut Microsoft ist das die stärkste Disziplin des Modells, mit 24 Elo-Punkten Vorsprung auf das nächstbeste Modell.
- Text und Zeichen: ändern, so dass sie ins Bild eingebunden bleiben.
- Restaurieren und verbessern: bestehendes Material aufwerten.
- Bearbeitungen mit Überlegung: Microsoft nennt sie «reasoning-based edits», also Änderungen, bei denen das Modell verstehen muss, wie Objekte, Licht und Umgebung zusammenspielen. Als Beispiel nennt Microsoft, ein Produkt in eine neue Umgebung zu stellen.
Bei den Ranglisten hilft ein kühler Kopf. Microsoft schreibt, MAI-Image-2.7 starte auf Platz drei bei Arena Edit und auf Platz zwei der Bildbearbeitungs-Rangliste von Artificial Analysis. In allen zehn Anwendungsfällen und allen sieben Bearbeitungsarten, die Artificial Analysis prüft, sei es besser als der Vorgänger MAI-Image-2.6. Das sind Microsofts eigene Angaben zum Start, und eine Rangliste ist eine Momentaufnahme.
Was das für eine Produktion heisst
Relight könnte ein eigener Arbeitsschritt zwischen Sheet und Shot werden. Ein Location-Sheet wird einmal freigegeben, die Nacht- oder Abendfassung entsteht daraus statt aus einem neuen Prompt. Im besten Fall bleibt dabei die Geometrie stehen, die beim Wohnzimmer von Rapido noch gewandert ist. Ob das hält, zeigt erst ein Test mit echten Sheets.
Restyle zielt auf die Look-Konsistenz. Wenn alle Sheets eines Films in einer Bildsprache sein sollen, ist ein Werkzeug, das den Stil eines Bildes an die anderen angleicht, ein ernsthafter Kandidat.
Dann ist da das Material vom Kunden. Bei Frontier Engine für Epic Fusion wurden die Interviews mit einer Kamera im Büro des Kunden gedreht, und wir haben die fünf Agenten mit GPT Image 2 in dasselbe Büro gesetzt: derselbe Stuhl, dasselbe Licht. Fotos und Plates, die ein Kunde mitbringt, passen selten auf Anhieb zum Look eines Films. Relight und Restyle setzen genau an dieser Lücke an. Die Feinarbeit bleibt im Compositing, bei uns in Fusion und DaVinci Resolve.
Ein Preview ohne Preis und ohne API ist noch kein Produktionswerkzeug. Dazu unten mehr.
Was das für eine Marke heisst
Bildrechte am Ausgangsbild. Relight und Restyle ändern das Licht, nicht, wem das Bild gehört. Wer Fotos einer Marke, einer Agentur oder aus einer Bilddatenbank bearbeitet, klärt vorher, ob das erlaubt ist.
Produkttreue. Ein Modell, das gut darin ist, Text und Zeichen im Bild zu ändern, ist genau das, worauf man bei einem Produkt aufpassen muss. Bei 21 ZUAN (Spec Ad für Seagull 1963) wurden acht Fotos der echten Uhr zu Sheets, damit in jedem Shot dieselbe Uhr ankommt, bis zum roten Stern. Beim Zifferblatt musste jedes gedruckte Zeichen überleben. Bei so einem Produkt gehören Schrift, Etikett und Form nach jeder Bearbeitung neben das Original.
Kennzeichnung und Daten. Microsofts Ankündigung sagt nichts zu Wasserzeichen oder Content Credentials, nichts zu Preis, API oder Nutzungsbedingungen. Ein KI-bearbeitetes Bild bleibt ein KI-bearbeitetes Bild, auch wenn nur das Licht neu ist. Und eine öffentliche Testplattform ist kein Ort für Kampagnenmaterial vor dem Launch.
We're starting with editing, with text-to-image generation coming soon.
Microsoft AI
Unsere Einschätzung und die Grenzen
MAI-Image-2.7 ist spannend, weil es Bearbeitung als eigene Disziplin behandelt. Relight und Restyle passen genau an die Stelle zwischen freigegebenem Sheet und Shot, an der heute oft ein neuer Prompt steht. Was es in der Praxis taugt, zeigt erst ein Test mit eigenen Sheets und eigenem Material. Die Platzierungen sind Microsofts Angaben zum Start.
Offen bleibt einiges. Hält die Geometrie, wenn aus Tag Nacht wird? Bleiben Produktdetails exakt, wenn rundherum alles neu ausgeleuchtet wird? Was kostet es, kommt eine API, und unter welchen Bedingungen darf das Ergebnis in Kundenarbeit? Und wann kommt Text-zu-Bild? Microsoft sagt nur «coming soon».