Canva Craft: Das Bild entsteht jetzt im Design-Tool
Canva haut ein eigenes Bildmodell raus, trainiert auf Vorlagen statt Fotos, mit Ergebnissen, die sich in Ebenen zerlegen lassen. Was das für Marketing-Teams heisst und was bei einem Studio bleibt.
Miraki MindKI-gestützte Redaktion · 23. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Am 22. Oktober 2026 hat Canva «Canva Craft» vorgestellt, das erste eigene Bildmodell des Unternehmens. Gebaut ist es für Design, nicht für Fotos: Plakate, Social Posts, Präsentationen, Menükarten. Die Bilder kommen in bis zu 2K, lassen sich danach in bearbeitbare Ebenen zerlegen, und Entwickler kommen über Canvas API dran.
Bei uns beginnt die Arbeit früher. Wir bauen zuerst die Welt und drehen dann darin: Figuren, Orte und Licht entstehen als Sheets und werden freigegeben, bevor ein einziger Shot gemacht wird. Bei Rapido, unserem Spec Ad für Electrolux, wurde der Staubsauger einmal als Sheet in drei Ansichten festgelegt und jedem Produktclip als erste Referenz mitgegeben. Die Wohnung haben wir zuerst gebaut, damit jeder Schnitt in dieselbe Wohnung führt.
Craft löst eine andere Aufgabe: ein starkes Einzelbild im Layout, schnell, im Werkzeug, das ein Team ohnehin offen hat. Das ist nichts Kleines. Es verschiebt nur die Grenze zwischen dem, was ein Team selbst macht, und dem, wofür es ein Studio holt.
Was wirklich neu ist
Laut Canva, wie TechCrunch berichtet, arbeitet Craft in zwei Schritten. Zuerst plant ein Modell die Komposition: wo welches Element steht, wie gross es ist, was zuerst ins Auge fällt und welcher Text wohin kommt. Dann rendert ein zweites Modell das Bild, bis 2K und in vielen Seitenverhältnissen. Trainiert wurde Craft laut Canva auf Vorlagen aus der eigenen Bibliothek, die Menschen gestaltet haben, nicht auf Fotos. Mitgearbeitet haben auch Forschende von Leonardo.ai, das Canva 2024 übernommen hat. In Canva selbst steckt Craft im Dream Lab, für alle Nutzer.
Das Spannendste ist das Zerlegen. Mit Magic Layers, Canvas Werkzeug, das aus einem Bild ein Design macht, wird das Ergebnis zu Ebenen, die sich einzeln ändern lassen. Also kein flaches Pixelbild, sondern ein Layout, an dem man weiterarbeiten kann. Canva sagt, so liessen sich gezielte Änderungen machen, ohne den Rest des Bildes anzufassen.
Auch die Schnittstelle ist da. In Canvas Entwicklerdoku heisst das Modell craft_v1_2k («CRAFT-1 2K»), daneben stehen zwei weitere Modelle zur Wahl. Die Doku führt die Schnittstelle als Preview: Änderungen ohne neue Version sind möglich, und öffentliche Apps, die sie nutzen, kommen nicht durch Canvas Prüfung. Jede Generierung zieht vom KI-Kontingent der Person ab, die sie auslöst, und der Download-Link gilt 24 Stunden. Angekündigt, aber ohne Datum: Craft in ChatGPT und Gemini über Canvas MCP-Anbindung und zwei günstigere Varianten, Craftfast und Craft-ultrafast.
Was das für eine Produktion heisst
Für Key Visuals, Social-Formate und Varianten in vielen Grössen dürfte sich einiges ins Design-Tool verschieben. Wer schon in Canva layoutet, erzeugt das Bild am selben Ort und passt es dort an, ohne Umweg über Export und Import. Für viele Teams ist das schlicht praktisch.
Ein Film ist eine andere Sache. Bei Pocobello brauchte die Figur Oswald sieben Anläufe, bis Haare, Brille und Haltung stimmten. Jede Figur wurde als Sheet in drei Ansichten festgelegt, bevor ein Shot entstand, und erst dann durfte das Videomodell bewegen, was im Bild passiert. Gesicht, Kostüm und Farbe bleiben über den ganzen Film unter menschlicher Kontrolle, nicht unter der des Modells. Diese Arbeit verschwindet nicht, nur weil ein einzelnes Bild schneller entsteht. Ein starkes Bild ist die eine Aufgabe. Eine Figur, ein Produkt und eine Wohnung über 45 Sekunden oder vier Minuten gleich zu halten, die andere.
Craft erzeugt Bilder, keine Bewegung. Für uns könnte es am ehesten früh im Prozess eine Rolle spielen, bei Moodboards oder Layout-Ideen für einen Brief. Getestet haben wir Craft noch nicht.
Was das für eine Marke heisst
Drei Dinge lohnen einen genauen Blick.
Rechte: Dass Craft auf Vorlagen statt auf Fotos trainiert ist, ist eine klare Ansage zur Herkunft. In den Quellen, die wir lesen konnten, steht aber nichts dazu, wem die Ergebnisse gehören und wie sie kommerziell genutzt werden dürfen; die API-Doku schweigt dazu. Bevor ein Craft-Bild in eine bezahlte Kampagne geht, lies die Bedingungen deines Canva-Plans.
Markenkonsistenz: Ob Craft hinterlegte Markenfarben, Schriften und Logos beim Generieren berücksichtigt, sagt keine der Quellen, die wir lesen konnten. Ein Modell, das auf fremden Vorlagen gelernt hat, kennt deine Marke nicht von selbst. Bei uns ist Konsistenz kein Prompt, sondern ein freigegebenes Sheet: das Produkt, die Figur, der Raum, einmal abgenommen und dann in jedem Shot als Referenz dabei.
Kennzeichnung: Ein KI-Bild bleibt ein KI-Bild, auch wenn es danach in Ebenen zerlegt und von Hand nachbearbeitet wurde. Bei uns gehören die Kennzeichnung unter dem EU AI Act und geklärte Nutzungsrechte zum Ablauf. Ob ein Film ein Label braucht, schätzt der AI Act Navigator in unserem Lab ein erstes Mal ein.
Unsere Einschätzung und die Grenzen
Canva Craft ist ein ernstzunehmender Schritt: ein Bildmodell, das für Layouts gedacht ist und Ergebnisse liefert, an denen man weiterarbeiten kann. Für Teams, die ohnehin in Canva arbeiten, wird vieles schneller, was früher nach draussen ging. Das ist okay so. Bei einem Studio bleibt, was über ein einzelnes Bild hinausgeht: Figuren und Welten, die vor dem ersten Shot freigegeben sind, ein Look, der über einen ganzen Film hält, und Rechte, Einverständnis und Kennzeichnung, die vor der Lieferung geklärt sind.
Offen ist einiges. Wie gut hält Craft eine Marke über eine ganze Kampagne? Was gilt bei Rechten und Nutzung? Was kostet ein Bild über die API, und wann wird aus der Preview eine stabile Schnittstelle? Das wollen wir wissen, bevor wir Craft in einem Projekt einsetzen.